Psychosomatische Belastungen bei Lehrern Reha vor Rente Gibt es Auswege ?
1. Einleitung zum Thema
psychosomatische Belastungsstörungen Mehr als ein Drittel der Frühpensionierungen im Berufsfeld der Lehrer erfolgen wegen psychischer Erkrankungen bzw. Erkrankung durch psychosomatische Belastungen. Im Auftrag der Bundesregierung hat sich eine Bund/Länder-Projektgruppe mit dem Thema „Eindämmung von Frühpensionierungen“ befasst und ist nach umfassender Bewertung der Situation zu interessanten Ergebnissen gekommen, bei denen die Rehabilitation vor Versorgung und die präventiv ausgerichteten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung von besonderem Interesse sind für uns, die wir als Ärzte und Therapeuten in der psychosomatischen Abteilung der Habichtswaldklinik seit Jahren mit dieser Thematik der psychosomatische n Belastungen, insbesondere bei Lehrern, befasst sind.
2. Die Problematik der psychosomatische
n Belastungen Tiefgreifende gesellschaftliche Wandlungsprozesse haben zur völligen Veränderung des Erziehungsstils geführt im Sinne einer radikalen Liberalisierung, wobei die Liberalisierung auch noch oft als Deckmantel für eine völlig defizitäre Nichterziehung herhalten muss. Familienstrukturen sind im Wandel, der Trend der Individualisierung, Selbstfindung und Selbstverwirklichung führt zur Infragestellung von Ehe und Familie. Trennungen, neue Partnerschaften, Patchwork-Familien führen zur entsprechenden psychischen Belastung der von diesem Prozess mit betroffenen Kinder, die als schwächste Glieder in diesen gesellschaftlichen Ketten Symptomträger werden und damit wiederum besondere Anforderungen an ihre Lehrer stellen. Der Trend zur Individualisierung und die Illusion des „Alles ist machbar, wenn ich nur will“, bringt die Eltern in einen erhöhten Verantwortungsdruck den Kindern gegenüber, denen sie mit einer guten Ausbildung den Weg in ein erfolgreiches Leben öffnen wollen. Das führt wiederum dazu, dass der Druck auf die Lehrer von Seiten der Elternschaft immens zunimmt und somit psychosomatische Belastungen bewirken kann. Psychodynamisch gesehen wird hier eine Verschiebung elterlicher Schuldgefühle auf den Eltern dann nicht genügend gut erscheinende Lehrer vorgenommen. Seit Pisa kommt für die Lehrer noch der Druck des schlechten Zeugnisses im internationalen Vergleich hinzu, der die Spirale der mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung der Lehrer weiter vorantreibt. Ein eklatanter Widerspruch ist entstanden zwischen der ständig steigenden Erwartung an die Lehrer einerseits, dem radikalen Abbau gesellschaftlichen Respekts vor Lehrern andererseits und dem Fehlen von ausreichender Anerkennung der Leistung von Lehrern und ihrer Autorität als öffentliche Personen. Wenn nicht überall, so kommt doch in einigen Bereichen zunehmender Kostendruck als weitere Belastung der Lehrer hinzu, der sich so auswirkt, dass die Zahl der Schüler pro Klasse groß ist, dass verhaltensauffällige Schüler in der Klasse mit betreut werden müssen, dass freie Stellen nicht unmittelbar neu besetzt werden, kranke Kollegen oft über lange Zeit vertreten werden müssen und Lehrerfortbildungen gekürzt werden, von generell nicht vorhandener Supervision für Lehrer ganz zu schweigen. Permanente Zunahme verbaler und körperlicher Gewalt der Schüler bei fehlenden Möglichkeiten zur Disziplinierung ist dann oftmals der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und zur Dienstunfähigkeit führt. Zusammengefasst lassen sich also
folgende klassische und schwerwiegende Stressfaktoren beschreiben, die für
Lehrer psychosomatische Belastungen darstellen: 3. Was hilft bei psychosomatische n Belastungen? Unsere Erfahrung in der Behandlung von Lehrern In der psychosomatisch/psychotherapeutischen Abteilung der Habichtswaldklinik in Kassel haben wir seit Aufnahme unserer Arbeit 1987 zahlreiche LehrerInnen mit psychischen Störungen und psychosomatische n Belastungen behandelt und sind seit Jahren mit der spezifischen Problematik des Lehrer-Seins und den Möglichkeiten, als einzelner Mensch mit den daraus resultierenden psychosomatische n Belastungen gut oder besser als bisher fertig zu werden, befasst. Die Ergebnisse sowohl der stationären Akutbehandlung als auch der stationären Rehabilitation von psychisch oder psychosomatisch erkrankten Lehrern sind gut, die Ergebnisevaluation macht für uns seit 1998 Professor Dr. Koch, psychologische Abteilung der Universität Hamburg Eppendorf.
Was kann die stationäre
Rehabilitation bzw. Akutbehandlung Von hoher Bedeutung ist zunächst die Herausnahme aus dem beruflichen Konfliktfeld und das Eintauchen in eine ansprechend freundliche stressreduzierte Umgebung. In der gegenwärtigen Reha-Diskussion wird ja jeglicher möglicher „Erholungswert“ oft schlecht bewertet im Sinne von „die machen da nur ein bisschen Kur“. Das ist eine fatale Verkennung der Wichtigkeit einer freundlichen, ruhigen und entspannten Atmosphäre für Menschen, die an hoher Stress- und psychosomatische n Belastungen erkrankt sind. Nun zu den Säulen der ganzheitlichen Therapie in der Habichtswaldklinik: Im Zentrum steht die Psychotherapie und hierbei wiederum die Gruppenpsychotherapie. Vier- bis fünfmal wöchentlich trifft sich eine Therapiegruppe von 10 – 11 PatientInnen mit psychosomatische n Belastungen. Zwei dieser Termine sind Gesprächsgruppen, sie werden ergänzt von einer Körpertherapiegruppe und einer Kunsttherapiegruppe. In den Gruppen wird auf tiefenpsychologisch fundierter Basis unter Einbeziehung kognitiver, systemischer und übender Elemente gearbeitet. Zentrales Element in der Gruppentherapie ist die Wiederaufnahme von Kontakt mit sich und anderen, die Erweiterung von Perspektiven durch den Austausch mit anderen, das Bekommen und Einbeziehen von Rückmeldungen anderer Menschen über eigene Bewertung und Denkmuster, Ansprüche an sich und andere. In der Körpertherapie geht es um eine Verbesserung der Körperwahrnehmung. Zusammenhänge zwischen psychischen und körperlichen Phänomen werden erkannt und geben Anregungen zu Haltungs- und Verhaltensänderungen. In der Kunsttherapie wird ein unmittelbar erfahrbarer Handlungsraum eröffnet, ein wertvolles Feld des spielerischen Probehandelns im klar strukturierten therapeutischen Rahmen. Einzelgespräche dienen der Erarbeitung, Bilanzierung und ggf. Veränderung von Therapiezielen und der Vorbereitung von spezifischen, noch nicht gruppenfähigen Themen zur Bearbeitung in der Gruppe. Atemtherapie in Anlehnung an Rebirthing bzw. Holotropes Atmen nach GROF steht bei gegebener Indikation zur Verfügung und hilft, noch nicht bewusste, aber bewusstseinsfähige Erlebensinhalte ins Bewusstsein zu bringen und zu integrieren. Der körperlichen und seelischen Aktivierung und Kräftigung dienen Angebote wie Walking, Sportgruppe und Ergometertraining. Das Erlernen der Grundzüge eines Entspannungsverfahrens und generell von Entspannungsmöglichkeiten in der belastenden Alltagssituation ist obligatorisch und hat einen wichtigen Stellenwert. Meditation und Kreativkraft fördernde Freizeitangebote dienen der Ressourcenfindung und -stärkung und geben, wo notwendig, den Rahmen für Sinn(wieder)-findung und für Wertefragen.
Was ist das Ziel dieses umfassenden multimodalen
Therapieangebotes Zunächst über räumlichen Abstand und inneres Herunterschalten, die unmittelbare Stressreduktion. Die Problematik des Stress ist ja in der Regel nicht die Stressbelastung an sich, sondern die fehlende oder nicht ausreichende psychovegetative Umschaltung auf Entspannung. Diese Zusammenhänge werden vermittelt und das Umschalten z.B. über die Beobachtung und Lenkung des Atems, über die Lenkung der Aufmerksamkeit, über das Ankern von geeigneten Imaginationen wird geübt. Ebenso erlernt und eingeübt wird die Distanzierung von affektiver Belastung, z.B. durch Wechsel bzw. Vergrößerung der Perspektive. Dies ist auch wichtig zur Neubewertung der eigenen Situation im Spannungsfeld zwischen eigenen Ansprüchen, Selbstidealvorstellungen und gesellschaftlicher Wirklichkeit. Das Wiederfinden von Humor und die kreative Kraft spielerischen Herangehens auch an ernsthafte Themen werden gefördert, neue konstruktive Handlungsmöglichkeiten im beruflichen und Gesamtlebenskontext entwickelt und schließlich konkrete Vorstellungen für den Wiedereintritt in den Alltag in einer Art und Weise, dass nicht der nächste Zusammenbruch vorprogrammiert ist, erarbeitet. 4. Resümee Tilla Fischer
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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