Logo der Habichtswald-Klinik     HABICHTSWALDKLINIK
           Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde                                           Psychosomatische Abteilung

                      34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe

                  Informationen zu Krankheiten
Weitere Medizinische Informationen und Links - speziell auch von
                                   
der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik -  klicken Sie hier

Psychosomatische Belastungen bei Lehrern

Reha vor Rente

Gibt es Auswege ?

1. Einleitung zum Thema psychosomatische Belastungsstörungen

Im Jahr 2000 lag die Zahl der wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig pensionierten Lehrer und Lehrerinnen bei 64 %. Im Jahr 2001 ging die Zahl auf 54 % zurück. Es werden noch mehr Lehrerinnen als Lehrer frühpensioniert. Der Rückgang von 2000 auf 2001 um 10 % hängt sicher insbesondere mit der Einführung von Versorgungsabschlägen im Fall der Frühpensionierung zusammen. Trotzdem ist die Gesamtzahl der LehrerInnen, die vor Erreichen des Pensionsalters in den Ruhestand gehen, beeindruckend hoch und wirft für den Einzelnen wie für die Gesellschaft Fragen auf, von denen die Finanzierbarkeit nur eine ist.  

Mehr als ein Drittel der Frühpensionierungen im Berufsfeld der Lehrer erfolgen wegen psychischer Erkrankungen bzw. Erkrankung durch psychosomatische Belastungen. 

Im Auftrag der Bundesregierung hat sich eine Bund/Länder-Projektgruppe mit dem Thema „Eindämmung von Frühpensionierungen“ befasst und ist nach umfassender Bewertung der Situation zu interessanten Ergebnissen gekommen, bei denen die Rehabilitation vor Versorgung und die präventiv ausgerichteten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung von besonderem Interesse sind für uns, die wir als Ärzte und Therapeuten in der psychosomatischen Abteilung der Habichtswaldklinik seit Jahren mit dieser Thematik der psychosomatische n Belastungen, insbesondere bei Lehrern, befasst sind.  

2. Die Problematik der psychosomatische n Belastungen
Welche spezifischen Belastungen führen dazu, dass so wenige Lehrer im Laufe ihres Berufslebens gesund bleiben und den Alltagsruhestand erreichen und genießen können? Die Lehrer stehen in den letzten 20 Jahren in einem besonderen gesellschaftlichen Spannungsfeld, in dem für sie die Belastung auf unterschiedlichen Ebenen exponentiell gewachsen ist:

Tiefgreifende gesellschaftliche Wandlungsprozesse haben zur völligen Veränderung des Erziehungsstils geführt im Sinne einer radikalen Liberalisierung, wobei die Liberalisierung auch noch oft als Deckmantel für eine völlig defizitäre Nichterziehung herhalten muss.

Familienstrukturen sind im Wandel, der Trend der Individualisierung, Selbstfindung und Selbstverwirklichung führt zur Infragestellung von Ehe und Familie. Trennungen, neue Partnerschaften, Patchwork-Familien führen zur entsprechenden psychischen Belastung der von diesem Prozess mit betroffenen Kinder, die als schwächste Glieder in diesen gesellschaftlichen Ketten Symptomträger werden und damit wiederum besondere Anforderungen an ihre Lehrer stellen.

Der Trend zur Individualisierung und die Illusion des „Alles ist machbar, wenn ich nur will“, bringt die Eltern in einen erhöhten Verantwortungsdruck den Kindern gegenüber, denen sie mit einer guten Ausbildung den Weg in ein erfolgreiches Leben öffnen wollen. Das führt wiederum dazu, dass der Druck auf die Lehrer von Seiten der Elternschaft immens zunimmt und somit psychosomatische Belastungen bewirken kann.

Psychodynamisch gesehen wird hier eine Verschiebung elterlicher Schuldgefühle auf den Eltern dann nicht genügend gut erscheinende Lehrer vorgenommen. Seit Pisa kommt für die Lehrer noch der Druck des schlechten Zeugnisses im internationalen Vergleich hinzu, der die Spirale der mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung der Lehrer weiter vorantreibt. 

Ein eklatanter Widerspruch ist entstanden zwischen der ständig steigenden Erwartung an die Lehrer einerseits, dem radikalen Abbau gesellschaftlichen Respekts vor Lehrern andererseits und dem Fehlen von ausreichender Anerkennung der Leistung von Lehrern und ihrer Autorität als öffentliche Personen.

Wenn nicht überall, so kommt doch in einigen Bereichen zunehmender Kostendruck als weitere Belastung der Lehrer hinzu, der sich so auswirkt, dass die Zahl der Schüler pro Klasse groß ist, dass verhaltensauffällige Schüler in der Klasse mit betreut werden müssen, dass freie Stellen nicht unmittelbar neu besetzt werden, kranke Kollegen oft über lange Zeit vertreten werden müssen und Lehrerfortbildungen gekürzt werden, von generell nicht vorhandener Supervision für Lehrer ganz zu schweigen. 

Permanente Zunahme verbaler und körperlicher Gewalt der Schüler bei fehlenden Möglichkeiten zur Disziplinierung ist dann oftmals der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und zur Dienstunfähigkeit führt. 

Zusammengefasst lassen sich also folgende klassische und schwerwiegende Stressfaktoren  beschreiben, die für Lehrer psychosomatische Belastungen darstellen:

4 Lärmstress
4 Dichtestress bei hoher Schülerzahl in der Klasse
4 Stress durch eklatanten Mangel eines notwendigen Maßes an Anerkennung, das jeder Mensch
     für seine psychische Ausgeglichenheit benötigt, also auch Lehrer
4 Stress durch eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten
4 Stress durch angstvolle Erwartungsspannung „Was kommt heute wieder auf  mich zu?“
4 Stress durch Verlust von einem saluto-genetisch bedeutsamen Gefühl von Sinnhaftigkeit und
     davon, etwas bewirken zu können
4 zunehmender Zeitdruck durch Vielfältigkeit und Umfang der zu bewältigenden Aufgaben
4 Stress durch mangelnde soziale Unterstützung zum einen gesamtgesellschaftlich, zum anderen
     – oft – auch innerkollegial
4 Stress durch steigende Anforderungen an die Art und Weise und die Inhalte der Stoffvermittlung
4 Stress durch mangelnde Sozialkompetenz der Schüler, die von den Lehrern aufgefangen,
     abgefangen und ausgeglichen werden muss

3. Was hilft bei psychosomatische n Belastungen?

Unsere Erfahrung in der Behandlung von Lehrern

In der psychosomatisch/psychotherapeutischen Abteilung der Habichtswaldklinik in Kassel haben wir seit Aufnahme unserer Arbeit 1987 zahlreiche LehrerInnen mit psychischen Störungen und psychosomatische n Belastungen behandelt und sind seit Jahren mit der spezifischen Problematik des Lehrer-Seins und den Möglichkeiten, als einzelner Mensch mit den daraus resultierenden psychosomatische n Belastungen gut oder besser als bisher fertig zu werden, befasst. Die Ergebnisse sowohl der stationären Akutbehandlung als auch der stationären Rehabilitation von psychisch oder psychosomatisch erkrankten Lehrern sind gut, die Ergebnisevaluation macht für uns seit 1998 Professor Dr. Koch, psychologische Abteilung der Universität Hamburg Eppendorf.  

Was kann die stationäre Rehabilitation bzw. Akutbehandlung
bei psychosomatische
n Belastungen?

Von hoher Bedeutung ist zunächst die Herausnahme aus dem beruflichen Konfliktfeld und das Eintauchen in eine ansprechend freundliche stressreduzierte Umgebung. In der gegenwärtigen Reha-Diskussion wird ja jeglicher möglicher „Erholungswert“ oft schlecht bewertet im Sinne von „die machen da nur ein bisschen Kur“. Das ist eine fatale Verkennung der Wichtigkeit einer freundlichen, ruhigen und entspannten Atmosphäre für Menschen, die an hoher Stress- und psychosomatische n Belastungen erkrankt sind.  

Nun zu den Säulen der ganzheitlichen Therapie in der Habichtswaldklinik:

Im Zentrum steht die Psychotherapie und hierbei wiederum die Gruppenpsychotherapie. Vier- bis fünfmal wöchentlich trifft sich eine Therapiegruppe von 10 – 11 PatientInnen mit psychosomatische n Belastungen. Zwei dieser Termine sind Gesprächsgruppen, sie werden ergänzt von einer Körpertherapiegruppe und einer Kunsttherapiegruppe. In den Gruppen wird auf tiefenpsychologisch fundierter Basis unter Einbeziehung kognitiver, systemischer und übender Elemente gearbeitet. Zentrales Element in der Gruppentherapie ist die Wiederaufnahme von Kontakt mit sich und anderen, die Erweiterung von Perspektiven durch den Austausch mit anderen, das Bekommen und Einbeziehen von Rückmeldungen anderer Menschen über eigene Bewertung und Denkmuster, Ansprüche an sich und andere.  

In der Körpertherapie geht es um eine Verbesserung der Körperwahrnehmung. Zusammenhänge zwischen psychischen und körperlichen Phänomen werden erkannt und geben Anregungen zu Haltungs- und Verhaltensänderungen.  

In der Kunsttherapie wird ein unmittelbar erfahrbarer Handlungsraum eröffnet, ein wertvolles Feld des spielerischen Probehandelns im klar strukturierten therapeutischen Rahmen.  

Einzelgespräche dienen der Erarbeitung, Bilanzierung und ggf. Veränderung von Therapiezielen und der Vorbereitung von spezifischen, noch nicht gruppenfähigen Themen zur Bearbeitung in der Gruppe. 

Atemtherapie in Anlehnung an Rebirthing bzw. Holotropes Atmen nach GROF steht bei gegebener Indikation zur Verfügung und hilft, noch nicht bewusste, aber bewusstseinsfähige Erlebensinhalte ins Bewusstsein zu bringen und zu integrieren. 

Der körperlichen und seelischen Aktivierung und Kräftigung dienen Angebote wie Walking, Sportgruppe und Ergometertraining

Das Erlernen der Grundzüge eines Entspannungsverfahrens und generell von Entspannungsmöglichkeiten in der belastenden Alltagssituation ist obligatorisch und hat einen wichtigen Stellenwert. 

Meditation und Kreativkraft fördernde Freizeitangebote dienen der Ressourcenfindung und -stärkung und geben, wo notwendig, den Rahmen für Sinn(wieder)-findung und für Wertefragen.

Was ist das Ziel dieses umfassenden multimodalen Therapieangebotes
bei psychosomatische
n Belastungen? 

Zunächst über räumlichen Abstand und inneres Herunterschalten, die unmittelbare Stressreduktion. Die Problematik des Stress ist ja in der Regel nicht die Stressbelastung an sich, sondern die fehlende oder nicht ausreichende psychovegetative Umschaltung auf Entspannung. Diese Zusammenhänge werden vermittelt und das Umschalten z.B. über die Beobachtung und Lenkung des Atems, über die Lenkung der Aufmerksamkeit, über das Ankern von geeigneten Imaginationen wird geübt. Ebenso erlernt und eingeübt wird die Distanzierung von affektiver Belastung, z.B. durch Wechsel bzw. Vergrößerung der Perspektive. Dies ist auch wichtig zur Neubewertung der eigenen Situation im Spannungsfeld zwischen eigenen Ansprüchen, Selbstidealvorstellungen und gesellschaftlicher Wirklichkeit. Das Wiederfinden von Humor und die kreative Kraft spielerischen Herangehens auch an ernsthafte Themen werden gefördert, neue konstruktive Handlungsmöglichkeiten im beruflichen und Gesamtlebenskontext entwickelt und schließlich konkrete Vorstellungen für den Wiedereintritt in den Alltag in einer Art und Weise, dass nicht der nächste Zusammenbruch vorprogrammiert ist, erarbeitet.  

4. Resümee
 

4
Menschen brauchen Anspannung und Entspannung im Wechsel, um dauerhaft gesund,
     belastbar und arbeitsfähig bleiben zu können.
4 Menschen und ganz besonders Menschen in sozialen Berufen brauchen das Gebraucht -
     Werden, brauchen, um dauerhaft gesund und arbeitsfähig zu bleiben, das selbstvergessene
     Hingegebensein an eine von ihnen als sinnvoll erachtete Aufgabe.
4 Zur Quadratur des Kreises wird es, wenn einer Berufsgruppe die gesellschaftliche und
     persönliche Anerkennung verweigert wird bei gleichzeitig ständig steigenden Anforderungen und
     ständig steigender Stressbelastung.
4 Um diese Quadratur des Kreises lösen zu können, braucht es zum einen das intensive und
     ganzheitliche Kümmern um den Einzelnen, der den Belastungen nicht mehr Stand zu halten
     vermag und es braucht politischen und gesamtgesellschaftlichen Bewusstseinswandel, um
     einem Berufsstand für seine gesellschaftlich eminent wichtige Aufgabe auch die nötigen
     gesellschaftlichen und politischen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Tilla Fischer
Oberärztin

Animationen animierte Augen

Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte - von Adoleszenzkrise bis Trauma finden Sie hier.

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie Ihre Fragen -
klicken Sie uns hier an...

 

Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.

Aktualisiert: Juni 2010

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

Weitere Fragen? Ihre Meinung? 
Schicken Sie uns eine Email

info@habichtswaldklinik.de

Telefon +49 (0) 56 1 - 31 08-  305, 327, 179 oder - 523
Telefax 31 08 - 106

Habichtswaldklinik

· Impressum· Anfahrt

Wigandstraße 1 · 34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe (Germany)
Telefon +49 (0) 56 1-3108-0 · Telefax 31 08 - 128

Servicetelefon 0800 / 8 90 11 00 · Info-Fax 0800 / 7 32 73 80

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.